Freitag, 10. Juni 2016

Unsere Ferien (und ein Vorfall zuvor)

Wir sind seit einer Woche wieder zuhause. Zeit, von unseren Ferien zu berichten!

Mr L. hatte eine Woche vor den geplanten Ferien einen Unfall. Im Wald fiel er von einem Bänkchen und schlug sich böse den Kopf auf. Es steckte ein Kieselstein in seinem Kopf, den wir dann selber entfernt haben, dann eilten wir ins Kinderspital. Dort wurde das Loch genäht. Zwei Tage später ist seine Stirn plötzlich seltsam aufgeschwollen. Wir gingen erneut ins Kinderspital, wo es dann hiess: Böser Wundinfekt. Die Fäden wurden sofort wieder gezogen, und er musste 4 Tage im Spital verbringen, mit Infusion und sie mussten ihm alle paar Stunden Antibiotika spritzen. Ich war rund um die Uhr bei ihm, wir schliefen gemeinsam in einem Krankenhausbett und ich kümmerte mich um ihn. In dieser Abteilung waren wir umgeben von krebskranken, nierenkranken und magersüchtigen Kindern, was natürlich sehr tragisch war. Für mich war es ausserdem eine Retraumatisierung, denn vor 18 Monaten lag er nur einen Stock höher, auf der Kinderintensivstation, und rang um sein Leben. Man kann sich also vorstellen, dass es für mich eine ziemliche Zumutung war, da ich immer noch in der Verarbeitungsphase stecke und mir meine Therapeutin ausdrücklich die Meidung dieses Ortes verordnet hat. Und dann fällt mein Sohn im Wald hin. Wahhh nein.
Es gab dann auch einen Zwischenfall, wo sie ihm die Infusionsnadel neu stecken mussten, weil sie einer Krankenschwester beim Verbandswechsel rausgerutscht ist. Da er so feine Venen hat, traf die Ärztin nicht gleich die Vene und stocherte dann herum, worauf er natürlich heftig brüllte, ich ihn aus der Situation riss, alle panisch anfauchte und unter heftigen Tränen mit ihm das Zimmer verliess.
Später kam dann eine liebe Krankenschwester vorbei und hat mit mir die Situation besprochen, ich konnte auch mein Trauma thematisieren. Das Personal dort reagierte verständnisvoll, und bemühte sich nach diesem Vorfall sehr, mich nicht mehr in eine solche Situation zu bringen. Sie holten extra einen Arzt aus der Neo, der sich auskennt mit so feinen Venen, und ich schickte meine Frau ins Untersuchungszimmer. Nach vier Tagen war alles überstanden, wir konnten nach Hause und die Koffer für die Ferien packen. Die Narbe ist inzwischen übrigens parktisch nicht mehr sichtbar!

Mein Büebel mit Kopfverband


Entgegen allen Ratschlägen ("stressig mit zwei Kleinkindern" blablabla) sind wir dann mit unseren beiden Kids nach Italien ans Meer gefahren. Es waren unsere ersten "richtigen" Ferien. Zugegeben: Es war schon ein Risiko, mit unseren Powernudeln, die teilweise mehrere Trotzanfälle pro Tag haben, sehr heftig streiten, vieles um sich herum kaputtmachen und sehr ungeduldig sind.
Was soll ich sagen? Es war ein toller Urlaub ohne Zwischenfälle. Nachdem aus den geplanten 8 Stunden etwa 12 Stunden Hinfahrt wurden (3 Stunden Stau vor dem Gotthard), ging wirklich alles reibungslos. Wir hatten ein Haus im Hinterland gemietet, zum Meer waren es jedoch nur 15 min. Autofahrt. Das Haus war ein Volltreffer, meine stundenlange Recherche hat sich gelohnt. Ruhig gelegen (wichtig für unsere Kids, sind sie es sich doch gewohnt, auf dem Land zu leben, ausserdem braucht Mlle. J. eine solche Umgebung, um "runterzukommen"), einfache, rustikale Einrichtung und ein sehr nettes, älteres Vermieterehepaar.
Während in Mitteleuropa schlimme Unwetter gab, hatten wir immer strahlend schönes Wetter, nur an einem Tag hat es geregnet.
Die Kinder liebten den Strand. Der Ort (Deiva Marina) war super, da ein kleines Bächlein in das Meer mündete. Sie haben meist den lieben langen Tag an diesem Bächlein gespielt, irgendwann um die Mittagszeit sind sie entweder am Strand selber eingeschlafen, oder wir sind ins Haus zurück, haben etwas gegessen und dann forderten sie dort ihren Mittagsschlaf ein. Sie haben Freundschaften mit anderen Kindern geschlossen, Mlle J. mit gleichaltrigen Mädchen, Mr. L. wollte lieber den grossen Jungs beim Dämme bauen helfen. Bereits nach zwei Tagen sagten sie "Meer", denn sie hatten zuvor noch nie das Meer gesehen. In diesen zwei Wochen hatten beide eine ungeheure Sprachexplosion, sie eigneten sich sogar italienische Wörter an. Wir waren sehr überrascht, waren sie doch bis dahin eher sprachfaule Kinder, obwohl wir immer sehr viel gesprochen, vorgelesen und gesungen haben. Sie nennen sich seit den Ferien auch gegenseitig beim Namen ("Nenny & Toy"), das klingt so süss! Sie haben auch schnell begriffen dass sie "Bimba" und "Bimbo" genannt werden. Unsere Familiensituation haben wir generell nicht erklärt im Ausland, da wir kein Italienisch sprechen, ausserdem wollten wir mal Pause haben von der unendlichen Fragerei, in die sich die Leute dann verstricken und die uns langsam aber sicher auf die Nerven geht. Sie gingen also einfach als Zwillinge ("gemelli") durch. Sie sind sich ja auch sehr ähnlich.
Sie sind schön braun geworden und gingen nach ein paar Tagen mit uns ins Meer baden. Ab und zu machten wir kleinere Ausflüge, z.B. in die Cinque Terre (sehr entäuschend, es gibt wirklich schönere Dörfer in Italien, ausserdem war ich damit beschäftigt "no photos" zu den Asiaten zu brüllen, die ständig unsere Kinder fotografieren wollten), nach Portofino, oder flanierten durch Sestri Levante, ein kleines, süsses Städtchen.
Wir fühlten uns in Italien sehr wohl, die Italiener sind sehr kinderfreundlich und herzlich, was ich hier in der Schweiz sehr vermisse. Die Spielplätze in Italien sind belebt, es wimmelt von Familien mit Kindern, und niemand schert sich um den Lärm. Es ist alles viel lockerer und weniger verbissen. Seltsamerweise hatten die Kinder während der gesamten zwei Wochen nur etwa zwei Trotzanfälle (wenn überhaupt), während bei uns zuhause teilweise 6 Trotzanfälle pro Tag und pro Kind zum Alltag gehörten. Warum das so ist, wissen wir nicht. Wir sind auch zuhause sehr viel draussen und lassen sie rumtoben, aber natürlich können wir nicht wie in den Ferien fast jeden Tag einfach rund um die Uhr an einem Bach verbringen...oder vielleicht liegt es an der veränderten Umgebung? Oder dass sie gespürt haben, dass die Leute dort positiv auf sie eingestellt sind, statt sie bei jeder Gelegenheit zurechtzuweisen? Wenn ihr eine Erklärung habt, nur zu.
Auf jeden Fall haben auch wir dort Erholung gefunden. Und wir machen uns bereits wieder Gedanken für den nächsten Urlaub...
Hier noch ein paar Fotos:



Portofino






Unser Ferienhaus 


Der Kamin in unserem Haus


Die Umgebung rund ums Haus - Natur pur!
Und der grosse Stein wurde zu meinem Kraftort
Unsere kleinen Künstler
Auf einer Schifffahrt

Kommentare:

  1. Ui, ein böser Unfall und dann auch noch Krankenhaus - Nicht einfach wenn die Mama noch ein Trauma hat. Super, dass ihr es dann doch hinbekommen habt. Die beiden sehen zuckersüss aus und die Bilder eures Urlaubes - Einfach nur traumhaft schön :)

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