Montag, 11. Mai 2015

Wenn die Türe zuschlägt...

Wie einige von euch vielleicht in einem meiner Posts am Rande gelesen haben, leide ich auch körperlich immer noch unter den Folgen der schlimmen Geburt. Nun, 6 Monate danach, habe ich immer noch Schmerzen und werde nun eine Operation durchführen müssen.
Ich möchte hier keine medizinischen Details nennen, aber ich möchte darüber sprechen, da es ein Thema ist, das meiner Meinung nach zu wenig Beachtung findet. Um nicht sogar sagen zu müssen: Es ist ein Tabu.
Ich wusste vor der Geburt nicht, dass so etwas passieren kann. Dass man Monate nach der Geburt immer noch Schmerzen haben kann, wenn eine Geburt komplett aus dem Ruder läuft. Dass man sogar nachoperiert werden muss. Niemand spricht darüber.

Ich dachte immer, ok, jetzt habe ich beim ersten Kind ein schreckliche Geburt und ein schreckliches Wochenbett erlebt, aber beim zweiten Mal, sollte es je ein zweites Mal geben, wirds vielleicht eine andere, bessere, schönere Geburt. So wie man es sich vorstellt. Bei der nichts schiefläuft, bei der nicht eingegriffen werden muss. Bei der es nachher sowohl dem Kind als auch mir gut geht. Und die vielleicht viele seelische Wunden, die ich bei der ersten Geburt erlitten hatte, heilen würde. Und dann könnte ich mit der ersten Geburt vielleicht Frieden schliessen. Dachte ich.
Nun war ich letzte Woche beim Arzt, der mich operieren wird. Er schaute sich das Ganze an. Und meinte, kein Wunder, hatte ich es so schwer. Bei diesem Beckenboden. Kein Wunder, steckte Mr. L. fest. Er hätte niemals ohne Hilfe von aussen das Licht der Welt erblickt. Nicht mit den Gegebenheiten, wie sie bei mir sind. Er weiss, wovon er spricht, er hat jahrzehntelange Erfahrung.
Und ja, er könne mich schon operieren.
Aber ich müsste einer weiteren Schwangerschaft einen Kaiserschnitt in Betracht ziehen, denn sonst gäbe es ziemlich garantiert wieder eine Geburt voller Probleme.
"Wichtig ist ja, dass bei einem nächsten Mal sowohl das Kind als auch Sie gesund wären."
Ich fiel ins Bodenlose. Ich ging nach Hause und heulte. Ich wollte nicht glauben, was man mir da ins Gesicht gesagt hatte, ehrlich und schonungslos. Ich weinte, obwohl ich ja gar noch nicht weiss, ob es überhaupt ein zweites Mal geben wird. Ob ich das überhaupt möchte.
Ich muss nun damit fertig werden. Damit, dass es eine Traumgeburt, so wie ich sie mir vorstelle, für mich niemals geben wird. Es ist so furchtbar schwer. Obwohl ich den Kaiserschnitt bei meiner Frau mit Mlle. J. miterlebt habe und es gar nicht so schlimm fand, kann ich es mir für mich selber so gar nicht vorstellen.
Ich muss irgendwie anders meinen Frieden zu dieser ersten Geburt finden.
Ich weiss nur noch nicht wie.
Es braucht Zeit, denke ich. Und manchmal denke ich, dass ich mich gar nicht zu sehr damit beschäftigen sollte, wie denn eine zweite Geburt wäre, da es eigentlich noch gar kein Thema ist, und vielleicht auch nie eines werden wird.
Und doch...

Ich weiss, dass der Arzt recht hat.
Trotzdem ist es schwer.

Kommentare:

  1. Es tut mir total leid für dich, dass alles so mies gelaufen ist. Ich habe während des Lesens sehr an meine Diagnoseverkündung denken müssen nach der Bauchspiegelung. Einfach endgültig. Daran ist nix zu rütteln.

    Ich hoffe sehr, dass du einen Weg findest, mit deiner Erfahrung ins Reine zu kommen!!

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    1. Danke für dein Mitgefühl.
      Ich bin gerade dabei, das ganze Schlamassel mit fachlicher Hilfe aufzuarbeiten, da werden mir zum Glück immer wieder Wege gezeigt. Alleine könnte ichs nicht...

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  2. :-(.... zweite Meinung bringt wohl auch nichts? :'-(

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    1. Wenn es soweit wäre, würde ich mir das mit der Zweitmeinung vielleicht überlegen. Vielleicht. Denn eigentlich ist der Fall ziemlich klar. Und ich hätte keine Lust, dass wie bei Monsieur L. das Leben des Kindes aufs Spiel gesetzt wird, bloss weil ich irgendetwas nachholen möchte, das dann doch wieder chaotisch enden würde...
      Ehrlich gesagt habe ich einfach nur Angst, dass es wieder so schlimm werden würde wie bei Monsieur L., vor allem jetzt da ich weiss, dass es bei mir aus medizinischen Gründen nicht so einfach ist...

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    2. Ich versteh das. Ach ist doch Mist. ��

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  3. Ich wünsche dir ganz viel Kraft!!!

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  4. Versuch es so zu sehen: Durch das Vorwissen wird eine zweite Geburt anders werden, geplant, ruhiger, nichts notfallmässiges. Und dem Kind wird es dementsprechend auch gut gehen. Darum wird dich eine zweite Geburt, auch wenn es ein geplanter Kaiserschnitt sein wird, sicher mit der ersten Versöhnen. Ich kenne mehrere Frauen, die hatten einen Notfallkaiserschnitt und beim zweiten Kind dann einen geplanten und sie meinten auch alle, die zweite wäre viel schöner gewesen.

    Und ja, die Geburt musst du verarbeiten, das ist nicht einfach, habe das auch erlebt, aber irgendwann löste sich der knopf, viele tränen sind geflossen und danach war da einfach nur dankbarkeit, dass unser baby und ich gesund waren!

    ich schick dir viele gute gedanken!

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    1. Liebe Lisa, das versuche ich bereits so zu sehen, aber das ist leider nicht immer einfach. Die ganzen Schuldgefühle, das Gefühl des Versagens, der Stich im Herz, das Trauma, das Ohnmachtsgefühl wenn ich Texte von sehr dummen Hebammen lese, die mich und auch anderen Frauen aufgrund unseres Geburtserlebnis als schwach darstellen, die innere Wut und Verletztheit wenn jemand mit seinem ach so tollen Geburtserlebnis prahlt...diese Gedanken kennst du vermutlich. Ich brauche Zeit. Viel Zeit...
      Danke für deine guten Gedanken.

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