Sonntag, 23. November 2014

Monsieur L.




So, nun komme ich endlich dazu, über Monsieur L. zu berichten!

Das Ganze fing ja leider nicht gut an...
Die Zeit in der Intensivstation war das Schlimmste, was ich je in meinem Leben erlebt habe. Getrennt zu sein von meinem Baby, das ich erst gerade geboren hatte, einen leeren Bauch zu haben, aber ohne Baby im Arm, schmerzte unglaublich. Sich an Zeiten halten zu müssen, an welchen ich bei meinem Baby sein durfte, und dann wieder weggehen zu müssen, ohne ihn...diese fünf Tage waren so schrecklich. Ich habe schon viel in meinem Leben erlebt, und jedes Mal dachte ich, einen noch tieferen Graben gäbe es nicht, wie sehr hatte ich mich da geirrt...Ich weinte mehrmals täglich, ich verspürte keinen Hunger mehr, ass nur noch, weil ich es musste, um für ihn stark bleiben zu können. Wir lebten wie in einer Blase. Morgens zu ihm, Nachmittags zu Mademoiselle J., die von meiner Familie gehütet wurde, Abends wieder zu ihm...unsere Familie fühlte sich zerrissen an. 
Zwei Tage lang hat er nur geschlafen, erhielt seine Milch über die Magensonde, und zusätzlich noch Flüssigkeit über eine Infusion, denn er war ziemlich ausgetrocknet. 
Es wurde von Infekten und Organfehlern geredet, oder dann aber, wenn man Glück hat, könnten es auch bloss "Startschwierigkeiten" sein. 
Dann, nach vier Tagen, kam dann endlich die erleichternde Gewissheit: Es war das Drittgenannte. Es lässt sich kaum beschreiben, wie es sich anfühlt, wenn einem tonnenschwere Steine vom Herzen fallen. Es hiess, dass er wohl durch die Übertragung und durch die schwere Geburt sehr geschwächt worden war, und deshalb einfach diese "Starthilfe" benötigte. Aber ohne diese hätte er es wohl nicht geschafft...
Einen Tag vor meinem Geburtstag durften wir ihn dann endlich, endlich mit nach Hause nehmen. 

Seither hängen wir aneinander. Zu Beginn konnte nur ich ihn beruhigen, und er wollte nur bei mir schlafen, und nur im Arm. Tagsüber möchte er ständig herumgetragen werden, er hält es nicht gut aus, abgelegt zu werden. 
Er ist ganz anders als Mademoiselle J., die man zu den einfachen Kindern zählen kann. 
Monsieur L. hingegen kann sich oft nur schlecht beruhigen, mag es wie gesagt nicht, abgelegt zu werden, und möchte alle zwei Stunden trinken, ausser Nachts, da schläft er auch schon mal fünf bis sechs Stunden am Stück.
Ich habe jedoch verschiedene Beruhigungsmethoden herausgefunden, die ihm helfen. Ein Beispiel: Er rudert oft mit seinen Ärmchen in der Luft herum, wenn er nervös ist, ich halte diese dann fest, lege sie auf seine Brust und halte sie dann dort mit meiner Hand fest. 
Leider hat er manchmal auch Koliken, der Kinderarzt hat uns ein ensprechendes Mittel verschrieben, das ihm gut hilft. 
Aber ich beklage mich nie. Denn ich hätte ihn beinahe verloren. Er darf weinen, schreien, an mir hängen. Das ist mir tausend Mal lieber als die Leere und Stille, die er hinterlassen hätte, wenn er...ich kann es nicht aussprechen. 

Es ist mir völlig egal, was die Leute davon halten, dass er jede Nacht bei mir im Arm schläft, dass sie es "verwöhnen" nennen, während ich der Meinung bin, dass ich so einfach für ihn da bin. Und: Niemand von diesen Leuten hat das erlebt, was ich erlebt habe. Sie haben keine Ahnung, wie es sich anfühlt. Und ich setze noch einen drauf: Er darf so lange bei mir schlafen und an mir rumhängen, wie er das braucht. Punkt. 

Was kann man sonst noch über ihn sagen? Er lächelt immer mehr, zeigt Interesse an seiner Umgebung und schaut einem mit seinen grossen, grauen Augen (die im übrigen hervorragend zu ihm passen, ich hoffe, dass sie so bleiben!) intensiv an. Er wächst wie verrückt und hat auch schon ordentlich an Gewicht zugelegt, er ist jetzt bereits 4 1/2 Kilo, also über ein Kilo über seinem Geburtsgewicht! Ich bin so stolz auf meinen kleinen Löwen. Anfangs hatte er das Problem, dass er seine Körpertemperatur nicht gut halten konnte, er musste sogar in geheizten Innenräumen einen dicken Pulli und eine Mütze tragen. Das muss er nun nicht mehr! Ausserdem war seine Haut sehr trocken und musste ständig eingeölt werden, auch das ist nun gut, er hat jetzt schöne, weiche Babyhaut. 
Also kann man sagen, dass es ihm sehr gut geht!
Ich bin so froh darüber, und durch ihn schätze ich das Glück noch mehr als vorher...

So, das war nun alles zu Monsieur L., der nächste Beitrag wird sich um Mademoiselle J. drehen, denn auch bei ihr gibt es einiges zu berichten! 

Noch etwas zum Schluss: Ich bin auf der Suche nach einer Körpertherapie für Monsieur L., die ihm helfen könnte, sich besser zu beruhigen. Ich dachte da z.B. an Osteopathie. Vielleicht habt ihr auch noch Tipps? Wäre sehr froh drum, schreibt einfach einen Kommentar oder auch eine Email. 






Kommentare:

  1. Wie gut ich Dich verstehen kann und ich freue mich sehr für Euch, dass es " nur " Startschwierigkeiten waren und schön, dass er nun gut aufholt :-) Wie geht es Dir heute?

    Lass Dir von niemandem rein reden, wenn L. getragen werden will, dann mach es, ich habe Junior fast den ganzen Tag im Tuch gehabt die ersten 5 Monate, nur da hat er Ruhe gefunden und in den Schlaf, ablegen ging gar nicht und auch heute noch hat er Phasen, in denen er sich auf meinem Rücken am Wohlsten fühlst und das ist gut für ihn! Das Tuch tragen hatte auch noch den Vorteil, dass wir aus seiner sehr grenzwertigen Hüfte eine super Hüfte " gemacht " haben.....

    Wir waren anfangs ständig beim Osteopathen und Junior hat es viel gebracht, aber auch die täglichen Massagen von uns haben ihm geholfen, zur Ruhe zu finden und sich selber besser wahrzunehmen..... Und wir haben seinen Liegeplatz immer mit einer Wärmflasche vorgewärmt, als er sich dann ablegen ließ, trotz warmer Räume!

    Ich wünsche Euch eine tolle Adventszeit, genießt Eure Familienzeit!

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    1. Danke für deine guten Worte! Tut gut zu lesen, dass es auch anderen so ergeht.
      Mir geht es immer besser, danke!

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  2. Es hat mich gefreut zu lesen, dass du dein Kind beobachtest und auf seine Bedürfnisse eingehst. Ich finde es richtig, nicht etwas zu verwehren, was man selbst als passend erfühlt, nur weil andere Menschen 'Ideen zur Erziehung' (Stichwort Verwöhnen) haben.
    Ich würde mich freuen, wenn du nähres zum Tragen schreiben könntest (Tuch, Trage, draußen, etc.)!

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    1. Ach, ich hatte schon immer meinen eigenen Kopf... ;-)
      Das mit dem Beitrag übers Tragen werde ich mir überlegen, danke für den Vorschlag!

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  3. Du machst das so genau richtig. Niemand hat das Recht, Dir rein zu reden. Nur ihr wisst, was Euer Sohn braucht!!!
    Bin ja so erleichtert zu lesen, dass keine Erkrankungen und Spätfolgen in dem Sinne da sind.

    Von Osteopathie hab ich nur gutes gehört, wichtig, dass es ein extra Kinderosteopath ist, da die ne sehr lange Zusatzausbildung haben- zumindest in D.
    Und Babymassage kann auch sehr förderlich sein, da stimme ich ratscher zu.

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    1. Danke für den Hinweis bezüglich Kinderosteopath, da muss ich mich mal informieren, wie es hier in der Schweiz ist.

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    2. ja klar Kinderosteopath - sorry, hab ich vorausgesetzt :-)

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  4. Also ich finde du machst das genau Richtig..
    Auch ich hatte meine Tochter beim schlafen immer bei mir/uns da sie nicht alleine schlafen wollte, sie hatte von Anfang an ihren kleinen sturen Kopf, als sie dann mit ca. 5monaten in ihrem Zimmer schlief musste ich auch da noch bei ihr im Zimmer bleiben, ich machte es aber auch sehr gerne und manchmal schlief ich sogar bei ihr im Zimmer mit ein ;-)
    Und was soll ich sagen, meine Tochter ist oder sie wird in 6 tagen 10j. alt und sie Liebt es heute noch wenn ich ihr etwas vorlese oder mit ihr was singe bevor sie schläft. Ich gebe es gerne zu meine/unsere Tochter ist verwöhnt und zwar mit Liebe denn wir haben nur sie..

    Was deine frage betrift ob es etwas gibt was deinem Sohnemann helfen könnte, ich persönlich bin vom Cranio sacral total überzeugt, aber achtung nicht alle sind wirklich gut..

    So ich wünsche euch noch ganz schöne Feiertage
    Gruess Nelly

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