Freitag, 24. Oktober 2014

Sorgen um Monsieur L.

Mein Monsieur L. 

Du bist erst seit 3 Tagen auf der Welt. 
3 Tage hielt ich dich in meinen Armen, streichelte dich, tröstete dich, gab dir Küsschen auf dein faltiges Gesichtchen, das so gut gerochen hat, und du hast mich mit deinen grossen, dunklen Augen angeschaut. 

Nun bist du im Kinderspital auf der Intensivstation.

Gestern, anfangs Nachmittag, lagst du plötzlich kalt, schlaff und bleich in meinen Armen, und deine Händchen waren blau. 
Ich erkannte sofort, dass irgendetwas überhaupt nicht stimmte. 
 
Ich hatte ja gedacht, dass die schlimmste Autofahrt meines Lebens diejenige in der Geburtsnacht war, als ich nach unzähligen Stunden mit Wehen ins Spital gefahren wurde, weil es nicht mehr vorwärts ging. 

Ich hatte mich getäuscht. Denn nur zwei Tage später fuhr ich mit dir in den Armen erneut ins Krankenhaus, und in diesem Moment dachte ich, du würdest sterben. 
DAS war die schlimmste Autofahrt meines Lebens. 

Ich rannte in die Notaufnahme. Du hast sofort Hilfe erhalten. Dann wurdest du mit Blaulicht ins Kinderspital gefahren. Ohne uns an deiner Seite. Ich hielt einen Plastiksack mit deinen Kleidchen umklammert, weinte und schrie. 
Sie fuhren mit dir davon. 

Wir mussten ohne dich nach Hause. Deine Schwester hatten wir in der Eile der Nachbarin gegeben. Sie war völlig aufgelöst, sie spürte, dass etwas nicht in Ordnung war. 
Ich lag mit ihr aufs Sofa, hielt sie fest umklammert.

Unser Umfeld reagierte grossartig. Deine Oma brachte Essen, und bot an, deine Schwester und unseren Hund zu hüten. Sämtliche Nachbaren boten ihre Hilfe an. 

Dann durften wir abends endlich zu dir. 
Und da lagst du, verkabelt und unter Dauerüberwachung in einer Abteilung, in der man als Eltern niemals landen möchte...

Dir ging es etwas besser, und mir schossen die Tränen in die Augen vor Rührung, als ich sah, wie liebevoll sie dich gepflegt hatten, nach all dem Blut, das bei der Notaufnahme beim Verlegen der Schläuche an dir geklebt hatte, sogar deine Haare hatten sie offenbar gewaschen und gebürstet. 

Seither sind wir bei dir, halten deine Hand und sprechen leise zu dir. 
Du hast gelächelt, als du meine Stimme gehört hast. Es war dein erstes Lächeln. 

Ich pumpe Milch für dich ab, so bin ich beschäftigt und kann etwas Gutes für dich tun. Sie geben es dir über die Magensonde. 

Sie haben gewisse Vermutungen, warum es dir nicht so gut geht. Bald wissen wir hoffendlich genaueres. 

Bis Sonntag wollen sie dich dortbehalten. Es zerreisst mir das Herz.
Diese ganz besondere Anfangszeit nach der Geburt wird uns gestohlen. 

Aber wir werden stark für dich sein, mein Fröschlein.

Denn du brauchst uns jetzt. 

Wir lieben dich. 

Deine Mama & Mami





Kommentare:

  1. Ich sitze hier mit Tränen in den Augen und starr vor Schreck.
    Alle verfügbaren Daumen sind gedrückt. Ich hoffe sehr, dass es dem kleinen Mann bald wieder besser geht, die Diagnose keine schlimme ist und ihr die Anfangszeit bald wieder werdet genießen können.
    Lieben Gruß

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  2. Ach du sch... Ich hoffe, dass es dem kleinen bald wieder besser geht! So etwas kann wirklich niemand brauchen. Gut, dass ihr so schnell reagiert habt! Was für ein Schreck!!!

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  3. Ogott. Ich hab Gänsehaut, und das tut mir schrecklich leid, dass Ihr das nun durchmachen müsst. :-( Gute Besserung!!!! Ich hoffe, Ihr könnt den kleinen Monsieur schnell wieder gesund mit nach Hause nehmen! Denke an Euch! Grüße auch von Monsieur R. !!!

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  4. Ach du lieber Himmel. Der Albtraum einer jeden Mutter. GANZ VIEL KRAFT für die kommenden Tage und ich hoffe, ihr bekommt die beste Betreuung und bald eine Diagnose.

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  5. Danke an euch alle für eure lieben Worte <3
    Sein Zustand ist stabil. Heute durfte ich ihn zu ersten Mal wieder stillen.
    Morgen erfahren wir hoffendlich mehr über seinen Gesundheitszustand.

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  6. Oh nein.... ich fühlte mich gerade knappe 15 Monate zurück versetzt, Junior kam 18 Std. nach Geburt ohne uns auf die Intensivstation :-(
    Ich drücke Euch ganz fest die Daumen, dass Ihr bald wisst, was los ist und natürlich, dass sich der kleine Mann ganz schnell stabilisiert!

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  7. Wie geht es euch? Gibt es bereits grünes Licht? Was hatte/hat denn euer Monsieur?

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