Freitag, 8. August 2014

Alltag mit Mademoiselle J.




Heute ist Mademoiselle J. bereits einen Monat jung!
Und das ist gerade eine gute Gelegenheit, über den Alltag mit ihr zu berichten!

Nach dem Krankenhausaufenthalt war es wirklich gut, nach Hause gehen zu können. Ich hatte drei Wochen freigenommen, um für meine beiden Schätze da sein zu können. Wie schön, dass das mein Arbeitgeber so grosszügig unterstützt hat, zum Beispiel, indem man mir eine ganze Woche Vaterschaftsurlaub geschenkt hat, so wie jedem anderen "Vater" auch! Und das, obwohl ich selber auch bald in Mutterschaftsurlaub gehen werde.
Wir genossen diese drei Wochen in vollen Zügen, konnten unsere Prinzessin sehr gut kennenlernen und ich konnte meine Frau entlasten, die teilweise immer noch von all den Komplikationen, die es vor der Geburt gegeben hatte, geschwächt war. Obwohl ich selber ja noch schwanger bin, fiel mir dieser komplett neue Alltag ziemlich leicht, aber wie soll ich sagen, ich hatte irgendwie einen enormen Hormonschub (oder soll man das Muttergefühle nennen?), der mich ganz euphorisch machte, sodass viele Bekannte sagten, man könnte meinen, ich hätte Mademoiselle J. geboren. Als ob das eine Rolle spielen würde...sie ist unsere gemeinsame Tochter, ganz egal, in welchem Bauch sie war...
Nun aber zu Mademoiselle J.!
Ach, sie ist einfach ein Goldschatz, klein und süss, wir können uns kaum an ihr sattsehen. Sie verzaubert uns mit kleinen Geräuschen und Glucksern, die sie von sich gibt und bringt uns zum Lachen mit ihren Grimassen. Wenn sie sich erschreckt (zum Beispiel an ihrem eigenen Pups!), wirft sie theatralisch die Arme in die Luft. Am liebsten schläft sie bei uns im Bett, tagsüber im Tragetuch.
Sie ist ein sehr liebes Kind, das schnell mal zufrieden ist, und lässt uns nachts inzwischen so ziemlich durchschlafen.
Was sie nicht mag: Wickeln. Jedes Mal ein riesiges Gebrüll. Drama pur. Kaum hat sie wieder Kleidung an, ist die Welt wieder in Ordnung. Das gleiche gilt fürs Baden. Findet sie sehr doof. Sie war das einzige Baby im Spital, das am Badetag keinen Spass hatte. Man sagt ja, dass ein Bad ein Baby an das Fruchtwasser im Mutterleib erinnert und beruhigend wirkt. Mademoiselle J. ist da völlig anderer Meinung. Wir werden jetzt die Rahmenbedigungen mal überprüfen, obwohl wir eigentlich schon auf ziemlich vieles achten (richtige Wassertemperatur, ruhiger Moment etc.).
Vielleicht hat jemand von meinen BlogleserInnen auch ein Kind, das Wasser nicht mochte, und kennt irgendeinen Trick? Dann her damit!

Inzwischen hat sie ihr Geburtsgewicht überschrittten (sie wiegt jetzt 3400 g) und ist 3 cm gewachsen. Trotzdem ist sie immer noch sehr klein und zart. Deshalb müssen wir darauf achten, dass sie auch genügend trinkt, denn abnehmen darf sie auf keinen Fall. Wo wir gerade bei diesem Thema sind: Stillen geht leider nicht. Von Anfang an hat sie die Brust verweigert, sich mit beiden Händen dagegen gestemmt und geweint. Niemand wusste, ob sie es aus irgendwelchen Gründen einfach nicht konnte (diverse Mutmassungen wurden ausgesprochen, aber das hilft einem dann auch nicht weiter) oder ob sie nicht verstand, was sie tun sollte.
Also pumpte meine Frau ab. Dabei merkte sie, dass der Milchfluss schlecht war, und auch nach zwei Wochen wurde die Menge nicht grösser. Von Anfang an mussten wir Mademoiselle J. immer noch zusätzlich das Fläschchen geben, weil die Muttermilch alleine nicht gereicht hätte.
Jegliche Massnahmen, den Milchfluss und Milchmenge zu verbessern, und jegliche Beratungen schlugen fehl. Das ganze Vorhaben wurde zum Stress für alle Beteiligten. Wir merkten, dass auch Mademoiselle J. immer unzufriedener wurde. Man muss sich vorstellen: Drei Uhr nachts, meine Frau pumpt eine Viertelstunde ab, während Mademoiselle J. immer mehr brüllt. Dann die Ernüchterung: Nur 20 ml. Diese kleine Menge dem Baby geben. Währenddessen musste eine von uns in die Küche, um die fehlende Menge anzurühren. Keine schöne, entspannte Sache. So hatten wir uns das nicht vorgestellt.
Also beschloss meine Frau, dem ganzen ein Ende zu setzen, weil es längerfristig keinen Sinn macht. Und somit geben wir Mademoiselle J. jetzt das Fläschchen mit Säuglingsmilch, und das funktioniert sehr gut.
Sie brauchte anfangs sehr lange, um zu trinken, teilweise eine Stunde. Jetzt trinkt sie jedoch schon viel besser, dank immerwährender "Motivationsmassnahmen" unsererseits.
Natürlich gibt es wieder Leute, die meinen, alles besser zu wissen, und irgendwelche dummen Bemerkungen fallen lassen, ohne dass sie unser Baby oder unsere Situation richtig kennen. Das Stillen hat ja momentan so einen hohen Stellenwert, dass man sich kaum getraut zu sagen, dass die Kleine das Fläschchen kriegt. Da hört man dann: "Ach nein, wie schade, Stillen ist doch das Allerwichtigste für ein Baby!". Nicht gerade nett, denn meine Frau hätte wirklich gerne gestillt. Oder man sagt uns, das Kind solle doch entscheiden, wie viel es trinken möchte, warum wir es denn "zwingen". Nun ja, bei einem 4-Kilo-Baby kann man diese Regel ja sicher gut anwenden, aber wir haben nun mal ein sehr kleines Baby, das auf gar keinen Fall abnehmen darf, sonst könnte es zu Entwicklungstörungen kommen.
Hat uns auch die Kinderärztin bestätigt und uns gelobt, dass wir gut darauf achten. Und von "zwingen" kann ja nicht die Rede sein, eher von "animieren". Das bedeutet zum Beispiel, dass wir sie an den Füsschen kitzeln oder die Position verändern, wenn sie beim Trinken Einzuschlafen droht. Dann wacht sie auf und trinkt weiter.
Das Thema ist jedoch noch nicht beendet. Bald wird das Brüderchen zur Welt kommen, und dann werde ich ca. drei Wochen nach seiner Geburt versuchen, sie bei mir anzusetzen. Sollte dieses Vorhaben fehlschlagen, werde ich bei genügender Milchmenge für sie abpumpen. Es bleibt also spannend!

Abschliessend kann ich sagen, dass wir sehr gerne Mütter sind. Wir lieben unser neues Leben. Es ist einfach unglaublich bereichernd und wunderschön!

Huch, wo bin ich denn hier gelandet?!




Kommentare:

  1. Zum Baden hab ich leider keinen Rat - unsere Kleine liebt das Wasser, da hatten wir bisher nie Probleme. Aber das Wickeln und Umziehen, oooh ja, das kommt mir ganz bekannt vor! Versucht es doch mal (ihr seid ja eh zu zweit zu Hause) mit dem Fön. Also einer nimmt den Haartrockner, stellt ihn auf höchste Stufe und damit neben das Baby (normalerweise geht es nur um das Geräusch, Stichwort "weißes Rauschen", aber unsere Kleine mag's auch, wenn sie angefönt wird). Der andere kann dann in der Zeit wickeln.

    Aber: Vermutlich braucht alles nur etwas Zeit. Seit etwa 2 Wochen mag unsere Kleine das Wickeln zunehmend mehr, und mittlerweile gluckst und lacht sie immer, wenn sie nackig auf dem Wickeltisch liegt ;)

    Zum Stillen: Ja, schade, dass es bei deiner Frau nicht geklappt hat - aber nicht um des Babys Willen, sondern, weil sie es sich gewünscht hatte. Lasst die Leute doch reden. Und: Hey, unsere Kleine kriegt nun Fläschchen, obwohl meine Frau voll stillen kann. "Nur" weil wir uns bald noch ein 2. Kind wünschen und die Erfolgschancen höher sind, wenn meine Frau bis dahin schon seit ca. 2-3 Monaten abgestillt hat. Also wird unser armes, armes Kind dann ab Oktober Fläschchen bekommen. Echt, gibt doch schlimmeres... Ja, stillen ist toll und gesund und praktisch, aber das heißt ja noch lange nicht, dass Fläschchen direkt das Gegenteil sein müssen. WIR haben zumindest absolut kein schlechtes Gewissen. Also braucht ihr erst recht keines haben, schließlich hattet ihr ja nicht einmal eine Wahl!

    Liebe Grüße auch an deine Frau, erholt euch schön und kuschelt viel!

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    1. Das mit dem Fön muss ich unbedingt mal ausprobieren! :-)
      Na, dann bin ich ja gespannt, ob unsere Kleine das Ganze auch bald entspannter sieht.

      Danke für deine guten Worte bezüglich des Stillens!

      Ach so, gab es bei euch eine Planänderung, wenn ich fragen darf? Ich meinte, du wolltest Baby No. 2 "austragen"? Wenn es wirklich so ist, dann Hut ab vor deiner Frau, ich könnte mir nicht vorstellen, gleich nochmals schwanger zu werden. Aber ich habe auch keine einfache Schwangerschaft.

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  2. Badet doch einfach zusammen. Also einer mit Baby in die Wanne, macht mehr Spaß und dann mag sie es vielleicht auch? Oder habt ihr das schon durch.
    Selbst wenn man stillt und es kacke findet, wird man dafür schief angeschaut... insofern, lasst die Leute reden ;-)

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    1. Bis jetzt durfte meine Frau wegen der Kaiserschnittnarbe nicht baden, und mir tut baden in der Schwangerschaft irgendwie nicht so gut. Werden wir aber sobald wir können nachholen!

      Hahaha, ja genau, nie ists recht bezüglich des Stillens...

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  3. Das klingt doch aber im Gesamten ganz gut :-), zum Baden habe ich auch keinen Tip, wir haben hier eine Wasserratte, die das Brüllen anfängt, wenn er raus muss ;-)

    Zum Thema Stillen: das kann ich sehr gut nachvollziehen, ich habe 4 Wochen versucht abzupumpen, alle 3 Stunden - auch nachts - und bin auf eine gesamt Tagesmenge von max. 50 ml gekommen...... Wir sind dann auch auf Flasche umgestiegen, auch Junior hat anfangs über ne Stunde gebraucht, sie müssen es erst lernen, Luft holen und saugen und schlucken koordiniert ist schwere Arbeit! Vertraut Euch, Ihr macht das richtig, Ihr könnt Eure Prinzessin gut einschätzen...... und vor allem lasst Euch da nicht rein reden, es wird immer Mütter geben, die meinen alles besser zu wissen, schaltet einfach auf Durchzug ;-)

    Ein schönes Wochenende Euch zusammen!

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    1. Meine Güte, dann weisst du nur allzu gut, was ich meine bezüglich des Stillproblems...

      Ja, sie trinkt immer besser, wahrscheinlich, weil sie auch immer kräftiger wird! :-)

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  4. “Zu der stillenden Mama:
    Ist es nicht wunderbar, was dein Körper alles kann? Es ist ein unglaubliches Geschenk für Dein Baby, wenn du es stillst, solange es dir gut tut. Du bist eine gute Mutter!
    Zu der Mama, die künstliche Säuglingsnahrung füttert:
    Ist Wissenschaft nicht, erstaunlich? Es gab Zeiten, in denen Babys erkrankten oder sogar starben, wenn ihre Mütter nicht in der Lage waren zu stillen. Aber heute können Babys glücklicherweise auch ohne Muttermilch gesund aufwachsen. Du bist eine gute Mutter!
    Zu der Stoffwindel-Mama:
    Flauschige Stoffwindel-Popos sind wirklich niedlich – sie sind so umweltfreundlich und so kostengünstig. Du bist eine gute Mutter!
    Zu der Wegwerfwindel-Mama:
    Wow, diese Dinger halten eine Menge aus und ist es nicht großartig, sich nicht um die Wäsche kümmern zu müssen? Du bist eine gute Mutter!
    Zu der Mama, die zu Hause bleibt:
    Ich kann mir vorstellen, dass der Alltag mit einem Kind zu Hause herausfordernd ist, aber es muss fantastisch für dich sein, diese wertvollen Jahre mit deinem Baby verbringen zu dürfen. Du bist eine gute Mutter!
    Zu der arbeitenden Mama:
    Es ist toll, dass Du Deinen Beruf wieder aufgreifst und die Haushaltskasse auffüllst. Du bist ein positives Vorbild für deine Kinder in so vielerlei Hinsicht. Du bist eine gute Mutter!
    Zu der Mama, die ihre Kinder mit Brei aus dem Gläschen ernährt, weil sie zu erschöpft ist zu kochen:
    Du ernährst Deine Kinder und sie wachsen und gedeihen! Es ist wichtig auch für dich zu sorgen, damit du genug Kraft für deine Kinder hast. Du bist eine gute Mutter!
    Zu der Mama, die selbst kocht:
    Ausgezeichnet! Gute Ernährungsweise ist wichtig, und dein Kind lernt somit schon früh gesundes Essen zu genießen. Das ist eine gute Basis für sein ganzes Leben. Du bist eine gute Mutter!
    Zu der Mama, deren Kind friedlich im Restaurant isst:
    Hut ab! Es verlangt sicherlich einiges ab dein Kind an solch einem Ort, an dem herumrennen nicht erlaubt ist, ruhig zu halten. Du bist eine gute Mutter!
    Zu der Mama, deren Kleinkind einen Nervenzusammenbruch in der Süßwarenabteilung erleidet:
    Sie scheinen sich immer den peinlichsten Ort zu suchen, um ihren Verstand zu verlieren, nicht? Keine Sorge, wir mussten da alle durch. Du bist eine gute Mutter!

    Zuspruch und Verständnis brauchen wir alle mehr, als gegenseitige Beurteilung!” Geschrieben von einer Hebamme

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  5. Macht euch keinen Kopf. Bei uns war das zuerst auch eine riesen Sache bis unsere Kleine einigermassen richtig an der Brust oder aus der Flasche getrunken hat. Wir mussten sie auch ständig zum Trinken animieren und die Mengen, die sie zu sich genommen hat, waren winzig. Unsere Kleine hat aber trotzdem immer zu genommen und irgendeinmal hat sie es dann auch gelernt ;) Macht euch keinen Stress, ich bin sicher, ihr macht das super! Ich fand die Besser-Wisser-Kommentare von anderen Mitmenschen immer so schrecklich.

    Alles Gute!

    *Sophie

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